Chronik - Chorvereinigung Haar

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Chronik der Chorvereinigung Haar – 70 Jahre Chorgeschichte

Die Karl-Hackl-Ära: 1921 bis 1987

Wieso eigentlich Chor-vereinigung?

Weil sich unser Chor aus ursprünglich 2 Chören zusammensetzte: einem Männerchor der Pfleger aus der Haarer Anstalt (Gründung 1921) und der Sängerrunde Haar (Gründung 1926). Dann kam jedoch das Jahr 1933 – die damaligen Machthaber entzogen dem Chor während des zweiten Weltkriegs die Existenzgrundlage.

Als der Krieg vorbei war und man auch wieder etwas für die Seele tun wollte, schlossen sich die beiden Chöre zusammen – eine buntgemischte Truppe aus ehemaligen Soldaten, Kriegsgefangenen, Vertriebenen, Sudetendeutschen und Schlesiern im Ortsgebiet Haar. Die Musik verband über alle Barrieren hinweg, und so wurde 1948 schließlich die „Chorvereinigung Haar“ unter dem Vorsitz von Ludwig Moser und dem Chorleiter Karl Hackl gegründet.

Zum ersten öffentlichen Auftritt 1948 am Kirchweihsonntag war die Kleidung oft noch knapp  - so wurden die alten Arbeitsdienströcke teilweise einfach dunkelblau gefärbt, die Hosen waren Arbeitshosen mit Aufsatztaschen aus Amerika, und auf den Hemden standen oft noch die Buchstaben „PW“ (prisoner of war, Kriegsgefangener). Wer keine schicken Halbschuhe hatte, schnitt von seinen Soldatenstiefeln einfach die Schäfte ab – fertig war das Bühnenoutfit.

Die geradezu revolutionäre Idee, auch Frauen in die Chorvereinigung mit aufzunehmen, wurde mit großem Misstrauen aufgenommen, aber der engagierte Dirigent Karl Hackl verstand es, seine Sängerinnen und Sänger zu begeistern.  

Die Erfolge der nächsten Jahre gaben ihm recht: Die  „Christnacht“ und „Das Jahr im Lied“ von Joseph Haas, dem von Karl Hackl hochverehrten Lehrmeister, oder die “Heilige Nacht“ von August Blank mit Fritz Strassner vom Bayerischen Rundfunk als Sprecher.

Wir sind immer noch stolz auf unsere Operettenkonzerte, bei denen wir sogar mit dem Bayerischen Staatsorchester zusammenarbeiten durften. Die Chorvereinigung Haar war sogar so herausragend gut, dass wir jahrelang Rundfunkaufnahmen und sogar eine eigene Schallplatte produzierten – und dies auch mit großem Erfolg.

Karl Hackl wollte aber mehr – er förderte auch den Nachwuchs und gründete einen Kinderchor mit Orffspielgruppe – schon nach kurzer Zeit waren die Kinder nicht mehr wegzudenken von Christkindlmärkten und Sängertagen – sogar beim Bundesjugendsingen in Erlangen war der Haarer Kinderchor dabei. Hier gibt es sogar noch eine Schallplatte, auf deren Hülle noch heute aktive Chormitglieder als Kinder zu sehen sind.

Im Dezember 1986 wurde die Chorvereinigung Haar zu einem Adventssingen nach Wien eingeladen – eines der Highlights in unserer persönlichen Historie.

Karl Hackl verstarb für alle unerwartet am 18. August 1987 – aber er und sein Werk sind unvergessen. Es wurde sogar eine Straße nach ihm benannt, sie führt vom Sportpark Richtung Norden.

Die Ernst-Hofmann-Ära – 1987 – 2014

Nach dem Tod von Karl Hackl übernahm Ernst Hofmann den Chor.

Herr Hofmann hat sich dieser nicht ganz einfachen Aufgabe als neuer Chorleiter der Chorvereinigung Haar gestellt. Er wirkte am Theresien-Gymnasium in München in bedeutender Position. Zudem war er Seminarleiter für die Ausbildung junger Musiklehrer und leitete schon über 20 Jahre den Kirchenchor „Christi Himmelfahrt“ in Waldtrudering. Er war auch Dirigent des Streichorchesters „Ehemaliger Theresianer“, das aus einem Schülerorchester hervorging – die Schüler wollten auch nach dem Abitur mit ihrem Lehrer weiter musizieren.

Unter seiner Leitung wurde das musikalische Können des Chores weiter ausgebaut. Ernst Hofmann hatte ein besonderes Talent, wenn es darum ging, Laien zur Musik zu führen und zu Höchstleistungen anzuspornen. Dies tat er jedoch nicht durch Strenge, sondern mit unendlicher Geduld und seiner gelebten Begeisterung für Musik.

Das Programm umfasste traditionelle sowie moderne Chorliteratur bis hin zu Spirituals und Jazzsätzen. Ernst Hofmann realisierte mit großem Erfolg wiederholt Aufführungen der „Carmina Burana“ von Orff, der „Schöpfung“ von Haydn und des Deutschen Requiems. Aber immer lag ein besonderer Schwerpunkt auf den großen, klassischen Chorwerken: wir haben so ziemlich alles gesungen, was Rang und Namen hat: Von Bach die Matthäus-Passion und das Weihnachtsoratorium, von Mozart das Requiem und die C-Moll-Messe, den Messias von Händel, die Schöpfung von Haydn, das Deutsche Requiem von Brahms, den Lobgesang von Mendelssohn-Bartholdy.

Aber auch die von der Chorvereinigung gestalteten Messen, Adventskonzerten und Hochzeiten fanden großen Anklang. Ein regelmäßiges Highlight waren die Europatage der Musik, bei denen wir an präganten Stellen in der Münchner Innenstadt (Westpark, Feldherrnhalle, etc.) auftraten – und auch bei einem internationalen Chortreffen in Wien glänzte der Haarer Chor. Besuch vom anderen Ende der Welt bekamen wir von einem japanischen Frauenchor, der extra zu uns nach Haar kam, um mit der Chorvereinigung gemeinsam zu singen.

Seit 1997 gibt es den 3-Gesang der Chorvereinigung, der bei verschiedenen Gelegenheiten, besonders aber im Advent gerne gehört wird. Eine eigene Abteilung, der „Waldtruderinger Frauenchor“ wurde gegründet, er bewies sein Können bei Auftritten in der Musikschule und sogar in der Philharmonie im Gasteig.

Unvergesslich bleiben die beliebten Chorwochenenden und Ausflüge. Auch wurde in der Ernst-Hofmann-Ära viel gefeiert – zu Geburtstagen wurde regelmäßig in der Aula der Schule eine Anlage aufgebaut und getanzt, was das Zeug hielt. Vor allem Ernst hat sich damit hervorgetan, mit jeder Frau mindestens einmal zu tanzen (aber auch die anderen Männer aus dem Chor standen dem nicht nach). Auch die Chorwochenenden waren immer sehr lustig und wenn irgendwie möglich wurde eine Unterkunft mit Tischtennisplatte gebucht, damit Ernst spielen konnte – beim Tischtennis war er absolut unschlagbar.

Nach dem Adventskonzert 2013 er sich dann aus der Chorleitung zurück, war aber nach wie vor präsent.

Michael-Clemens-Frey: 2014 bis heute

Ernst Hofmann hat die Chorvereinigung Haar über 27 Jahre geführt, geprägt, geleitet und blieb ihr auch nach der Übernahme durch Michael Clemens Frey in enger Freundschaft verbunden. Nicht nur das, er sang in seiner Chorvereinigung mit und gestaltete die ersten Konzerte des neuen Chorleiters noch aktiv mit. Eine Seltenheit unter Musikern, die von beiden Seiten stets hervorgehoben wurde.

Michael Clemens Frey übernahm 2014 einen gut aufgestellten und großen Konzertchor mit dem assoziierten Streichorchester Ehemaliger Theresianer. Dennoch brauchte es fast zwei Jahre, bis der Übergang geschafft war. Viele Sängerinnen und Sänger haben nie unter einem anderen Dirigenten als Ernst Hofmann gesungen und mussten sich an den neuen Chorleiter gewöhnen.

Auch bei den Ehemaligen Theresianern, die schon lange nicht mehr nur aus ehemaligen Schülern von Ernst bestehen, gab es einen Umbruch. Doch auch ohne festen Dirigenten besteht das Orchester weiter und gibt auch jedes Jahr eigene Konzerte.

Frey hat in diesen ersten zwei „Gewöhnungsjahren“ Michael Haydns Jubiläumsmesse als Debutwerk und 2015 als erste große Herausforderung Josef Haydns Schöpfung präsentiert.

Überraschend war bei dieser Schöpfung sowohl für Zuhörer, als auch Musiker die Licht-Inszenierung im Altarraum der Kirche, die Frey unterstützend angelegt und in eigener Regie realisiert hat. Auch die Haarer mussten erst zutraulich mit dem Münchner Chorleiter werden. Dennoch war schon 2015 die Kirche gut besetzt und die folgenden Konzerte hatten jeweils mehr Zuhörer.

Die traditionelle Eröffnung des Haarer Christkindlmarktes hat Michael Clemens Frey gerne übernommen und hüpft seitdem mindestens zweimal im Jahr überrascht, wenn die Böllerschützen sich bei dieser Gelegenheit zu Gehör bringen. Das zweite Mal Hüpfen überlässt er Alexandra Hölzel, die ihn am Volkstrauertag vertritt, während er bei gleichem Anlass in einer anderen Gemeinde springt.   

Das adventliche Singen im Maria-Stadler-Haus wird in den letzten Jahren ausgebaut zu einem kleinen, aber feinen Nachmittagskonzert. Frey kommt hier zahlreichen Wünschen der Senioren nach, die sich „mehr Chormusik“ gewünscht hatten.

Die Weihnachtskonzerte der Chorvereinigung haben sich Stück für Stück gewandelt und sind moderner geworden. Schon 2015 zeigte Michael Clemens Frey mit O magnum mysterium von Morten Lauridsen, dass Weihnachtsmusik weit mehr sein kann, als tradierte Musik in Zuckerbäckermanier. Das bis zu neunstimmige Werk ist nach langer Probenphase zu einem Lieblingswerk vieler Chorsängerinnen und Chorsänger geworden, die jedes Jahr wieder fragen, ob „der Lauridsen wieder auf dem Programm steht“.

Auch bereits 2015 wurde auf Anregung von Frey die Plakatgestaltung vorsichtig modernisiert. Seitdem prägen sogenannte Wortwolken in einer Form, die zum jeweiligen Werk passt, das Konzertplakat.

2016 hatte die Führungsetage der Chorvereinigung die Idee, ein zweites Konzert im Jahr zu installieren. Wegen des geplanten Weihnachtsoratoriums musste der herbstliche Konzerttermin ja in die Adventszeit verlegt werden. Die so frei gewordene Zeit bot nun Platz für ein Sommerkonzert.

Vivaldis Gloria und Magnificat wurden auserkoren. Beide Werke zusammen in ähnlicher Anlage haben das Haarer Publikum begeistert. Die „günstige“ Besetzung schaffte ein kleines Polster für die Ausgaben für das Weihnachtskonzert und darüber hinaus.

Das Bachsche Weihnachtsoratorium ließ die Chorvereinigung nach dem Vivaldikonzert wie schon im ganzen Jahr 2016 weiter in barocker Musik schwelgen. Unter den Gästen dieses Konzertes sah man Kammersängerin Helena Jungwirth und ihren Gatten Kammersänger Claes H. Ahnsjö, die sich sehr löblich über Darbietung und Interpretation äußerten.

Das Requiem von Wolfgang Amadeus Mozart, das ja nur in Teilen von Mozart selbst stammt, ist eines der Wunschwerke, die Chorleiter Frey gerne aufs Programm setzen wollte. Als er 2017 das Requiem anvisierte, stellte sich die Frage, welche Fassung man spielen wollte, gab es doch mittlerweile an die 15 (!) unterschiedlichen Vervollständigungen von Mozarts Rudiment. Schließlich entschied man sich weniger aus musikalischen, aber aus monetären Gründen für die einzige Fassung, an der ein Mozart-Zeitgenosse (und Schüler) gearbeitet hat, nämlich die Süßmayr-Fassung.

Der Chor hat das Werk gerne geprobt und nicht zum ersten Mal kamen Gastsänger zur Chorvereinigung, weil sie das Werk so gerne singen. Wir haben sie gerne in unsere Reihen aufgenommen und manche sind vom Projektsänger zum Chormitglied mutiert.

Eine beinahe ausverkaufte St- Raphael Kirche zeugt von der Zustimmung nicht nur der Haarer Bevölkerung zur Arbeit der Chorvereinigung und ihres Chorleiters Michael Clemens Frey.

Zum Jubiläumsjahr 2018 sollte es noch besonderer als bisher werden. Waren Schöpfung und Weihnachtsoratorium von Größe und Schwere des Werkes schon nicht ohne, so sollte es diesmal ein noch enormeres Werk werden: ELIAS von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Das Orchester zählt neben großem Streichorchester weitere 20 (!) Instrumentalisten auf. Darunter auch die relativ unbekannte Ophikleide, die einer Basstuba ähnelt. Solistenquartett und weitere Solostimmen aus dem Chor addieren sich auf insgesamt fast 100 Mitwirkende.   

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